Summary
Overview
Ein umfassendes Gespräch mit dem Historiker und Ökonomen Jens von Scherpenberg über sein Buch zur deutschen Großmachtpolitik. Scherpenberg kritisiert fundamentale Strukturen kapitalistischer Nationalstaaten und deren Machtstreben. Er analysiert die deutsch-französische Rivalität um die europäische Führung, warnt vor militärischer Aufrüstung und plädiert dafür, dass Menschen den Zwecken ihrer Staaten die Zustimmung verweigern sollten.
Scherpenbergs Hintergrund und Motivation
Jens von Scherpenberg stellt sich als promovierter Historiker und Volkswirt vor, der lange an der Stiftung Wissenschaft und Politik arbeitete. Sein Vater war Diplomat und wurde von den Nazis inhaftiert, weil er zu einem Widerstandskreis gehörte. Scherpenberg wuchs in einem politisch sozialdemokratischen Elternhaus auf und wurde durch die 68er-Bewegung politisiert. Seine Motivation für das Buch entspringt der Sorge über Deutschlands erneutes Streben nach Großmacht und militärischer Führung in Europa.
- Scherpenberg ist Historiker und Volkswirt, arbeitete an der Stiftung Wissenschaft und Politik
- Sein Vater war Diplomat und wurde von den Nazis wegen Beteiligung an einem Widerstandskreis inhaftiert
- Er wuchs in einem sozialdemokratischen Elternhaus auf und erlebte die 68er-Bewegung
- Scherpenberg war von 1964-1966 freiwillig bei der Bundeswehr als Leutnant der Reserve
" Das Thema, wie die Bundesrepublik sich anschickt, also eine Großmacht zu werden, die Führung in Europa zu übernehmen und richtig in der Großmachtkonkurrenz mitzuspielen, und dadurch natürlich ihre Bevölkerung massiv in Anspruch nimmt. Dagegen habe ich was. "
" Staaten verfolgen ihre eigenen Machtzwecke, versuchen ihre Macht zu erweitern. Das sind nicht die Zwecke der Menschen. Die Menschen zahlen für diese Zwecke. Die haben die Kosten davon zu tragen für diese Politik. "
Die deutsche Großmachtsucht und ihre historischen Wurzeln
Scherpenberg analysiert drei deutsche Versuche, Großmacht zu werden. Nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg gab es jeweils ein starkes gesellschaftliches 'Nie wieder', doch heute sieht er einen dritten Anlauf. Er kritisiert, dass Deutschland unter dem Deckmantel der Kooperation mit anderen europäischen Staaten dieselben Ziele verfolgt wie früher, nur mit anderen Mitteln. Die EU wird als Vehikel deutscher Machtinteressen beschrieben.
- Deutschland hat bereits zweimal versucht, Großmacht zu werden - beide Male endeten in Kriegen
- Nach beiden Weltkriegen gab es starke 'Nie wieder'-Bewegungen in der Bevölkerung
- Adenauer wollte Deutschland zu einer gleichberechtigten Großmacht machen, diesmal kooperativ statt konfrontativ
- Die EU wird als imperialistische Macht kritisiert, die ständig ihren Einfluss ausweitet
" Die EU ist eine imperialistische Macht. Weil sie ganz normal, wie andere große Mächte auch, ständig darauf bedacht ist, ihren Einfluss auszuweiten, Zugriff auf andere Nationen auszuweiten, auf deren Ressourcen, auf deren Menschenpotenzial. "
" Die Erfindung der europäischen Friedensordnung würde ich als ein höchst gelungenes moralisches Etikett für den imperialistischen Anspruch der EU auf die Eingemeinung weiterer europäischer Staaten bezeichnen. "
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