Jung & Naiv
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#812 - Geraldine Rauch über Hochschulpolitik & ihre Amtszeit als Präsidentin der TU Berlin

March 05, 2026 • 3h 46m

Summary

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Overview

In diesem ausführlichen Interview spricht Geraldine Rauch, die scheidende Präsidentin der Technischen Universität Berlin, über ihre vierjährige Amtszeit, die Herausforderungen des deutschen Hochschulsystems, Angriffe auf die Wissenschaftsfreiheit und die Kontroversen um ihre Person. Sie diskutiert Themen wie Hochschulautonomie, prekäre Arbeitsverhältnisse in der Wissenschaft, den maroden Zustand der Universitätsgebäude, politischen Druck auf Universitäten sowie die polarisierte Debatte um den Nahostkonflikt auf dem Campus.

Nicht-Wiederwahl und politische Unbequemlichkeit

Geraldine Rauch erklärt zu Beginn, warum sie nach nur einer Amtszeit nicht wiedergewählt wurde. Sie sieht sich selbst als "politisch unbequem" für Berlin und hat sich zu vielen hochschulpolitischen Themen geäußert, was etablierte Systeme herausgefordert hat. Trotz ihrer kurzen Amtszeit hat sie bewusst kontroverse Positionen bezogen, was letztlich zu ihrer Abwahl führte. Sie betont jedoch, dass sie lieber offen ihre Meinung sagt, als am Amt zu hängen und zu schweigen.

  • Rauch wurde nicht wiedergewählt und ist nur noch bis Ende März 2025 Präsidentin der TU Berlin
  • Sie sieht sich als "politisch ein bisschen zu unbequem für Berlin in diesen Zeiten"
  • Rauch hat sich zu vielen hochschulpolitischen Themen geäußert und damit an etablierten Systemen gekratzt
  • Das politische Geschehen mischt sich in die Unis ein, daher müssen Unis auch darauf reagieren
" Ich glaube, ich bin einfach politisch ein bisschen zu unbequem für Berlin in diesen Zeiten. "
" Das ist mir lieber, dass ich das offen angesprochen habe oder es weiter offen ansprechen werde und dafür dann nicht wiedergewählt werde, als dass ich an meinem Amt da hänge und lieber leise bin. "

Wissenschaftsfreiheit und Hochschulautonomie unter Druck

Rauch erläutert die Bedeutung von Hochschulautonomie und Wissenschaftsfreiheit als demokratische Grundpfeiler. Sie diskutiert aktuelle Bedrohungen dieser Freiheiten, einschließlich der Debatte um Zivilklauseln an technischen Universitäten. Die Diskussion zeigt, wie externe politische Kräfte versuchen, Einfluss auf Forschung und Lehre zu nehmen, was Rauch als problematischen Eingriff in die Wissenschaftsfreiheit bewertet.

  • Wissenschaftsfreiheit ist im Grundgesetz verankert und ermöglicht Hochschulen, frei zu bestimmen, was sie forschen und lehren
  • Die TU Berlin hat eine Zivilklausel als Konsequenz aus der NS-Zeit und forscht nicht militärisch
  • In Bayern wurden Zivilklauseln verboten – ein Eingriff in die Freiheit von Forschung und Lehre
  • Geistes- und Sozialwissenschaften haben einen schwierigeren Stand und werden weniger gefördert
" Freiheit von Forschung und Lehre ist aus meiner Sicht ein Grundpfeiler auch für einen Demokratiegedanken, weil es eben ein sehr freiheitlicher Gedanke ist, der im Prinzip einer Regierung zum Beispiel auch nicht erlaubt zu sagen, wir schränken jetzt Forschung und Lehre in die Richtung ein. "

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