Jung & Naiv
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#829 - Philosoph Tilo Wesche über die Rechte der Natur, Eigentum & Kolonialismus

May 28, 2026 • 3h 19m

Summary

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Overview

In diesem Gespräch diskutiert Philosoph Thilo Wiesche von der Universität Oldenburg seine Lebensgeschichte, philosophische Arbeit und innovative Ideen zu Eigentumsrechten und Naturrechten. Zentrale Themen sind seine Jugend im Apartheid-Namibia, sein Engagement in der Anti-Apartheid-Bewegung, seine akademische Karriere und vor allem sein Konzept, der Natur eigene Eigentumsrechte zu verleihen. Er argumentiert, dass die ökologische und soziale Krise nur durch Transformation unserer Eigentumsvorstellungen gelöst werden kann, wobei er betont, dass dies innerhalb bestehender rechtlicher Strukturen möglich ist.

Philosophie als Beruf und Forschung

Thilo Wiesche erklärt seinen Werdegang als Philosoph und Hochschullehrer an der Universität Oldenburg. Er beschreibt Philosophie als eine Disziplin, die sowohl das Selbstverständliche hinterfragt als auch das scheinbar Absurde verständlich macht. Die philosophische Forschung unterscheidet sich von empirischen Wissenschaften durch Begriffsarbeit und das Herstellen von Zusammenhängen, die andere Disziplinen oft nicht leisten können.

  • Philosophie ist sowohl das Staunen über Dinge als auch Skeptizismus - vieles hinterfragen
  • Als Hochschullehrer lehrt und forscht Wiesche, bildet Lehrerinnen und Nachwuchswissenschaftler aus
  • Philosophische Forschung stellt neue Fragen in veränderten Kontexten - das gute Leben im Anthropozän ist anders als in der griechischen Antike
  • Philosophie kann durch Begriffsarbeit und das Herstellen von Zusammenhängen Dinge klären, die andere Disziplinen nicht können
  • Werte wie Freiheit und Gerechtigkeit können nicht empirisch beobachtet werden - das ist die wissenschaftliche Herausforderung der Philosophie
" Wir können in der Soziologie zum Beispiel Gesellschaften beobachten. Wir können Umfragen erstellen, wir können Statistiken erstellen, wir können messen. Aber wenn ich die Frage, zeig mir mal Freiheit. Freiheit ist eine Grundnorm, ein Grundwert unserer Gesellschaft. Zeig sie mir mal. "

Der prekäre Weg zur Professur

Wiesche schildert seinen langen und unsicheren Weg zur festen Professur. Nach seiner Habilitation 2008 arbeitete er bis 2018 in befristeten Vertretungsprofessuren, ohne zu wissen, ob er arbeitslos würde. Er beschreibt diese Zeit als "Hölle", betont aber auch die wertvollen Lernerfahrungen. Erst mit 50 Jahren erhielt er seine feste Stelle in Oldenburg, nachdem er sich unzählige Male beworben hatte.

  • Vertretungsprofessuren bedeuteten nur semesterweise Verträge - nie Gewissheit über die Zukunft
  • Plan B war Taxifahrer oder Quereinstieg als Lehrer
  • Die Lehr- und Wanderjahre brachten wertvolle Erfahrungen durch viele verschiedene Institute und Herausforderungen
  • Mit 50 bekam Wiesche endlich seine feste Professur - kurz vor dem Verbeamtungsalter
  • Netzwerken war nie seine Stärke - er konzentrierte sich lieber auf Schreiben, Lesen und Nachdenken
" Man muss für die Sache brennen, das ist völlig klar. Man muss das völlig für wichtig als eine Mission betrachten. Aber man darf nie verbissen nur dieses eine Ziel verfolgen. Ich finde, man muss immer einen Plan B haben. "

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