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#851 - Strafverteidiger Benjamin Düsberg über den "Ulm 5"- Prozess

September 15, 2026 • 3h 34m

Summary

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Overview

Benjamin Duisberg, Strafverteidiger aus Berlin, diskutiert den Fall der 'Ulm 5' - fünf Aktivisten, die wegen eines Einbruchs bei Elbit Systems Deutschland in Ulm angeklagt sind. Der Fall wirft grundlegende Fragen zum deutschen Völkerrechtsverständnis, zur Staatsräson gegenüber Israel und zum Widerstandsrecht auf. Die Verteidigung argumentiert mit Nothilfe angesichts eines möglichen Genozids in Gaza, während die Staatsanwaltschaft die Angeklagten als Teil einer kriminellen Vereinigung darstellt. Seit über einem Jahr sitzen die Fünf in Untersuchungshaft unter umstrittenen Bedingungen in Stuttgart-Stammheim.

Werdegang als Strafverteidiger

Benjamin Duisberg beschreibt seinen ungewöhnlichen Weg zur Strafverteidigung. Nach einem Philosophiestudium wechselte er mit 27 Jahren zu Jura, motiviert durch die TV-Serie 'Liebling Kreuzberg' und familiäre Einflüsse. Seine Eltern waren Lehrer mit sozialer Ader im ländlichen Nordrhein-Westfalen, wo er früh Kontakt zu Geflüchteten hatte. Das protestantische Elternhaus prägte sein Gerechtigkeitsempfinden. Nach erfolgreichem Studium machte er sich direkt selbstständig und spezialisierte sich zunehmend auf Strafrecht.

  • Philosophiestudium abgebrochen aus materiellen und praktischen Gründen - 'die Welt nicht nur interpretieren, sondern verändern'
  • Mit 27 Jahren Jurastudium begonnen, was damals als spät empfunden wurde
  • Erstes Staatsexamen gut, zweites mit 9 Punkten (voll befriedigend)
  • Jura-Ausbildung kritisiert als 'funktional' und 'technisch' ohne gesellschaftswissenschaftlichen Kontext
  • Mitglied bei RAV (Republikanische Anwältinnen- und Anwaltsvereinigung) - politisch links orientiert
" Die Philosophen haben die Welt immer nur verschieden interpretiert. Es kommt aber auch darauf an, sie zu verändern. Also auch so ein Handwerkszeug zu haben, um irgendwie einzugreifen. "
" Jura ist ja sozusagen eine eigene Sprache und man lernt juristische Probleme lösen und Menschen kommen da eigentlich nur so als A, B, C vor, als Figuren. Also man lernt nichts über Gesellschaft, man lernt nichts über Naturwissenschaften, man lernt nichts über die Welt eigentlich erstmal, aber man lernt quasi die Sprache, mit der die Welt organisiert ist. "

Der Fall Ulm 5: Die Aktion

Am 8. September 2024 drangen fünf Aktivisten in die Räume von Elbit Systems Deutschland in Ulm ein. Elbit ist Israels größter Rüstungskonzern und liefert 85% der Drohnen-Systeme der israelischen Armee. Die Aktivisten beschädigten vor allem Laborausrüstung im dritten Obergeschoss, warteten auf die Polizei und ließen sich festnehmen. Sie filmten ihre Aktion und veröffentlichten Bekennerschreiben. Der Sachschaden wird auf über eine Million Euro geschätzt. Sie handelten bewusst ohne Gewalt gegen Personen.

  • Einbruch am 8. September 2024 bei Elbit Systems Deutschland in Ulm
  • Hauptschaden im Labor mit sensiblen Messinstrumenten im dritten Obergeschoss
  • Sachschaden über eine Million Euro, genaue Verifizierung noch ausstehend
  • Aktivisten warteten auf Polizei und ließen sich festnehmen - keine Fluchtversuche
  • Videos und Bekennerstatements wurden veröffentlicht unter dem Label 'Palestine Action Germany'
" Das war ja die Entscheidung dann bei den Fünf, wir brauchen jetzt Direct Action. Wir müssen direkt Rüstungsproduktion lahmlegen, und um wenigstens, sei es nur für einen Tag oder für eine Stunde, sozusagen den ungehinderten Fortgang dieser Verbrechen zu stoppen. "

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