Summary
Overview
In diesem über 3,5-stündigen Interview mit dem Sozialphilosophen Robin Silikates geht es um kritische Theorie, die Krise der Demokratie und die aktuelle Faschisierungsdynamik in Deutschland und Europa. Silikates analysiert, wie ökonomische Krisen auf Minderheiten projiziert werden, warnt vor der Normalisierung faschistischer Rhetorik in der politischen Mitte und plädiert für solidarische Gegenorganisation und antifaschistische Wirtschaftspolitik.
Kritische Theorie und der Bezug zur Praxis
Robin Silikates erklärt seinen Werdegang als Professor für Sozialphilosophie an der FU Berlin und seine Zuwendung zur kritischen Theorie. Diese philosophische Strömung zeichnet sich dadurch aus, dass sie nicht nur die Welt deuten, sondern auch verändern will. Sie ist in sozialen Kämpfen und Bewegungen verankert und zielt auf Emanzipation und Befreiung ab. Silikates betont die Wichtigkeit, aus der reinen Theorie herauszutreten und sich mit der sozialen Wirklichkeit auseinanderzusetzen.
- Silikates ist Professor für Sozialphilosophie an der FU Berlin und beschäftigt sich mit Protest, sozialen Bewegungen, Ungehorsam, Migration und Rassismus im Rahmen der kritischen Theorie
- Kritische Theorie zeichnet sich durch einen doppelten Bezug auf die Praxis aus: Sie entwickelt Fragestellungen aus der Praxis und versucht, auf die Praxis zurückzuwirken
- Die Theorie ist in sozialen Kämpfen und Bewegungen verankert und zielt auf Veränderung in Richtung Emanzipation und Befreiung ab
- Kritik ist kein Monopol der Theoretikerinnen - sie wird in der sozialen Wirklichkeit von vielen Akteuren geübt
" Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt darauf an, sie zu verändern. Deuten und verändern. Und es ist ja keine Alternative, sondern gehört zusammen. "
Hoffnung als politische Notwendigkeit
Silikates warnt vor Hoffnungslosigkeit in Anbetracht der multiplen Krisen und argumentiert, dass Hoffnung keine optionale Luxusemotion ist, sondern eine politische Verantwortung. Er verweist auf konkrete Beispiele solidarischer Selbstorganisation und Widerstand als Gründe für pragmatischen Optimismus. Besonders eindrücklich schildert er eine Konferenz in Amsterdam, bei der Geflüchtete niederländischen Aktivisten nicht erlaubten aufzugeben, weil sie selbst keine Alternative zum Weiterkämpfen haben.
- Es gibt keinen Luxus der Hoffnungslosigkeit für privilegierte Positionen - gerade wer weniger Risiken hat, muss sich einbringen
- Menschen in prekären Situationen können sich Hoffnungslosigkeit nicht leisten - sie müssen weiterkämpfen
- Formen des Widerstands und solidarischer Gegenorganisation existieren bereits und sind Grund für Hoffnung
- Bei einer Konferenz in Amsterdam sagten Geflüchtete den niederländischen Aktivisten, dass sie ihnen nicht erlauben aufzugeben
" Für viele Menschen Hoffnungslosigkeit einfach praktisch oder existenziell keine echte Alternative ist. Also weil sie überleben müssen und weil sie selbst darauf angewiesen sind, eben weil sie zum Beispiel vom Staat im Stich gelassen werden, sich anders zu organisieren. "
" Dass sie uns das nicht erlauben. Dass sie das nicht akzeptieren können, weil sie, also was sollen sie machen sozusagen? Sie können nicht einfach sagen, ja, wir geben auf. "
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