Jung & Naiv
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#859 - Ungleichheitsforscherin Miriam Rehm (Professorin für Sozioökonomie, Uni Duisburg-Essen)

October 23, 2026 • 3h 32m

Summary

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Overview

In diesem ausführlichen Gespräch diskutiert die Ungleichheitsforscherin Miriam Rehm die extreme Vermögensungleichheit in Deutschland und Österreich, deren Messung und gesellschaftliche Auswirkungen. Sie erklärt ihren post-keynesianischen und feministisch-ökonomischen Forschungsansatz, die Probleme bei der Datenerfassung von Vermögen, die Verbindung zwischen Vermögenskonzentration und Klimakrise sowie die Notwendigkeit einer sozial-ökologischen Transformation. Dabei kritisiert sie die neoklassische Mainstream-Ökonomie und plädiert für problemorientierte, plurale Wirtschaftsforschung.

Miriam Rehms akademischer Werdegang und Interesse an Ungleichheit

Miriam Rehm beschreibt ihren unkonventionellen Weg zur Ungleichheitsforschung, der mit einem zufälligen Ökonomiekurs in Irland begann. An der Wirtschaftsuniversität Wien hatte sie das Glück, plurale Ökonomie zu studieren, bevor diese Ausrichtung verschwand. Über ein Stipendium an der New School in New York konnte sie bei führenden post-keynesianischen Ökonomen studieren. Sie betont, dass Verteilungsfragen die zentralen Themen unserer Zeit sind und dass ihre Forschung stark von feministischer und ökologischer Ökonomie geprägt ist.

  • Miriam Rehm ist Professorin für empirische Ungleichheitsforschung an der Universität Duisburg-Essen
  • Ihr Interesse an Ökonomie begann mit 15 Jahren während eines Auslandsjahres in Irland
  • An der Wirtschaftsuniversität Wien konnte sie plurale Ökonomie studieren - eine Ausrichtung, die heute nicht mehr existiert
  • Sie studierte an der New School in New York bei führenden post-keynesianischen Ökonomen wie Duncan Foley und Lance Taylor
  • Sie versteht sich als Post-Keynesianerin, feministische Ökonomin und ökologische Ökonomin
" Ich glaube, dass Verteilung eines der zentralen Fragen, eines der zentralen Themen unserer Zeit ist. Ich glaube, es ist sehr, sehr wichtig, dass wir uns damit auseinandersetzen und dann idealerweise natürlich Fakten und Daten basiert. "

Vermögensungleichheit in Deutschland und Österreich - Das Datenproblem

Die Vermögensverteilung ist extrem ungleich, aber schwer zu messen. Die reichsten 10% besitzen etwa 60% des Gesamtvermögens, die untere Hälfte unter 5%. Deutschland ist beim Vermögen so ungleich wie die ungleichsten Länder beim Einkommen. Wissenschaftliche Erhebungen wie das SOEP und der HFCS versuchen die Verteilung zu erfassen, haben aber Probleme die Superreichen zu erreichen. Österreich hatte lange gar keine Vermögensdaten, da es keine Vermögens- oder Erbschaftssteuer mehr gibt.

  • Die reichsten 10% in Deutschland besitzen ungefähr 60% des Gesamtvermögens, die untere Hälfte hat unter 5%
  • Deutschland ist beim Vermögen so ungleich wie die ungleichsten Gesellschaften der Welt beim Einkommen (gemessen am Gini-Koeffizienten)
  • Vermögensdaten werden durch wissenschaftliche Erhebungen wie das SOEP und den HFCS erfasst, nicht durch staatliche Register
  • Es gibt massive Untererfassung am oberen Ende - die Reichsten nehmen seltener an Erhebungen teil
  • Österreich hat seit Anfang der 1990er keine Vermögenssteuer und seit Anfang der 2000er keine Erbschaftssteuer mehr
" Wir machen uns keine Vorstellung, oder den meisten von uns, ich jedenfalls, bevor ich angefangen habe, mich damit mehr zu beschäftigen, haben mir keine Vorstellung gemacht, wie ungleich Vermögen verteilt sind. "

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