Summary
Overview
Thomas Biebricher, Professor für politische Theorie an der Goethe-Universität Frankfurt, diskutiert die Entwicklung des Konservatismus in Deutschland und Europa. Er analysiert die Krise der CDU/CSU, die Beziehung zwischen konservativen und rechtsextremen Kräften, und erklärt, warum konservative Parteien zunehmend unter Druck geraten. Dabei beleuchtet er auch die Verbindungen zwischen Neoliberalismus und Konservatismus sowie die Herausforderungen für demokratische Systeme.
Der akademische Weg zum Konservatismus-Experten
Thomas Biebricher beschreibt seinen Werdegang von der Dissertation über Foucault und Habermas hin zur Konservatismus-Forschung. Sein Interesse am Neoliberalismus führte ihn schließlich dazu, sich intensiv mit konservativen Bewegungen auseinanderzusetzen. Er erzählt von seiner Begegnung mit Jürgen Habermas und wie zufällige Begegnungen seine Forschungsrichtung prägten. Der ursprüngliche Plan, Journalist zu werden, wurde durch die Akademia ersetzt.
- Biebricher ist seit 2022 Heisenberg-Professor für politische Theorie in Frankfurt
- Seine Dissertation behandelte Kritik bei Habermas und Foucault
- Der Neoliberalismus wurde sein Forschungsthema durch Foucaults späte Vorlesungen
- Ursprünglich wollte er Journalist werden, machte viele Praktika bei Zeitungen
" Ich bin Professor für politische Theorie an der Goethe-Universität Frankfurt. Warum? Ja, aus Leidenschaft. Und weil man ja Geld verdienen muss. "
" Zwischendurch war es eng. Aber ich glaube schon eigentlich immer daran geglaubt. Aber wie gesagt, es gab schon so zwei, drei Punkte, wo man so dachte, vielleicht geht es gar nicht weiter. "
Habermas und Foucault: Zwei Wege der Kritik
Biebricher erklärt die fundamentalen Unterschiede zwischen Habermas' kommunikativer Vernunft und Foucaults Machtanalyse. Während Habermas auf Verständigung und sprachliche Vernunft setzte, analysierte Foucault die Verflechtung von Macht und Wissen. Diese theoretischen Grundlagen prägen bis heute die Debatte über Identitätspolitik und gesellschaftliche Kritik. Die beiden Denker standen sich kritisch gegenüber, obwohl beide wichtige Beiträge zur kritischen Theorie lieferten.
- Habermas basiert Kritik auf versprachlichter Vernunft und Verständigung
- Foucault sah die Verknüpfung von Vernunft und Macht, nicht authentische Identitäten
- Die heutige Lesart von Foucault in Identitätsdebatten ist eine Verkehrung seiner ursprünglichen Position
- Biebricher hatte 1999 ein ausführliches Telefoninterview mit Habermas
" Also letztendlich basierend auf einer Vorstellung von Sprache letztendlich und auf der Vorstellung von Verständigung eben. Und der Vorstellung, dass Sprache ihrer Struktur nach, wir als sprechende Wesen ausgelegt sind auf Verständigung. "
" Heute Abend ruft Jürgen Habermas an. Und so war es dann auch wirklich. Leute riefen an und meine Mitbewohner sagten immer, wir können nicht telefonieren, Jürgen Habermas ruft gleich an. Und dann ruft wirklich um 21.02 Uhr Jürgen Habermas an eben. "
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